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Weltenesche Eschenwelten - Vorwort

Vorwort zur 5., vollständig überarbeiteten Auflage

Wenn Sie sich, trotz Internet, e-books und Kindle-Reader, dennoch für den Kauf dieses umfangreichen Werkes entschieden habe, darf ich davon ausgehen, dass Sie auf die eine oder andere Weise neugierig geworden sind und – genau wie ich – gerne noch ein gedrucktes Buch in den Händen halten. Wenn auch abzusehen ist, dass sich dieser Zustand in den nächsten Jahren massiv verändern wird. Zwar propagieren die Medien derzeit noch lautstark das Gegenteil, doch sämtliche meiner Freunde und Kollegen der schreibenden Zunft oder aus dem Verlagswesen bestätigen, dass der derzeitige Trend zu sinkenden Buchverkaufszahlen weiterhin anhält. Angesichts der totalen Reizüberflutung, der wir tagtäglich durch die Medien, die Werbung oder das Netz ausgesetzt sind, mag dies nicht weiter verwundern. Das Buch, zumindest in der Form, wie es meiner Generation noch vertraut ist, scheint irgendwie im Sterben zu liegen. Allerdings ist es noch nicht beerdigt, während hingegen die digitalen Nachfolger, die e- oder i-books, noch nicht ganz da sind. Wir dümpeln derzeit also noch in einem Übergangszustand herum. Unbestreitbar jedoch ist, dass unsere westliche Welt immer digitaler und damit virtueller wird, während gleichzeitig der Hunger vieler Menschen nach selbst erlebtem Wissen sowie persönlicher Erfahrung kontinuierlich anwächst.

Gut 18 Jahre liegen zwischen dem Moment, in dem ich diese Zeilen hier schreibe, und jenem Zeitpunkt, als ich damals im Jahre 1995 die erste Gedanken und Visionen zu diesem Buch notierte. Eine lange Zeit, in der manches passiert ist, was eine grundlegende Überarbeitung dieses Werkes unerlässlich machte. Denn von meiner persönlichen Entwicklung einmal abgesehen, hat sich auch innerhalb der deutschen Heidenszene so einiges getan. In den letzten Jahren begegneten mir immer wieder Menschen, die mit dem Germanischen Götterorakel bereits erstaunliche Erfahrungen machen durften. Sei es nun alleine in den eigenen vier Wänden oder aber in einem meiner Workshops. Auch einige Kartenleger(innen) verwenden das Götterorakel inzwischen als festen Kartensatz, wenn es darum geht, den Problemen oder Mustern von Rat- und Hilfesuchenden auf die Schliche zu kommen.

Für mich ist dabei erfreulich, dass wohl gerade meine unkonventionelle Herangehensweise viele Menschen dazu ermutigt, wieder einen (neuen) Zugang zu den alten Göttern zu finden. Gerade deshalb freute mich besonders eine Rezension meines Buches aus dem Jahre 2004 von Kurt Oertel, dessen Augenmerk immer wieder streng auf der Richtigkeit fachkundlicher Quellen ruht. Ja, fast neige ich dazu, ihn die „graue Eminenz“ des Eldaring zu nennen, des größten deutschsprachigen Ásatrú-Vereins. In seiner Besprechung stellte Kurt Oertel damals wohlwollend fest, dass ich bei der „Weltenesche“ in Sachen Quellenkunde meine Hausaufgaben wahrlich gemacht hätte, was den Autodidakten in mir, zugegeben, schon etwas stolz machte. Das von Kurt Oertel in der Edition Roter Drache herausgegebene Buch „Ásatrú“ (das ich hier gern empfehlen möchte) liefert neue Forschungsergebnisse und gibt zudem die Ansichten und Erfahrungen praktizierender Ásatrúars wieder, die an der Zusammenstellung des Werkes mitgewirkt haben.

Nachvollziehbar, dass man, wenn man dieses umfangreiche Gebiet alleine beackert, gewisse Abstriche machen muss, die den Umfang dieses ohnehin schon dicken Wälzers sprengen würden. Deshalb an dieser Stelle einen schönen Gruß und Dank an meinen Verleger Holger Kliemannel, dessen Stöhnen angesichts der noch einmal textlich erweiterten Neuauflage ich noch in den Ohren habe.

Da sich alles in stetigem Wandel befindet, soll und darf somit auch ein geschöpftes Orakelsystem nicht um jeden Preis statisch bleiben. Vor allem, wenn man im Verlauf des eigenen Lebensweges zu neuen Erkenntnissen und Einsichten gelangt, die zum Zeitpunkt seiner Entstehung einfach noch nicht möglich waren. Während ich mich also für die 4. Auflage noch einmal in die weit verzweigten Tiefen der nordisch-germanischen Götterwelt hineinversenkte, erfuhr vor allem das 53. Kapitel  „Hyndla“ eine enorme Erweiterung. Waren mir beim erstmaligen Niederschreiben dieses Buches manche Einblicke in die Tiefen des weiblichen Wesens noch verwehrt, durfte ich inzwischen einige wichtige Erkenntnisse nachholen. Besonders der Archetypus der „Wilden Frau“ ist hier zu erwähnen, der sich mir erst im Verlauf eines längeren Reife-Prozesses erschloss, bei dem einige Frauen sowie meine Gefährtin einen tragenden Anteil hatten. Dies führte sogar dazu, dass ich das bisherige Schlagwort dieser 53. Karte, nämlich „Provokation“, in „Instinktnatur“ umbenannte. Eine kleine Veränderung – ich nenne sie lieber „Nachkorrektur“ –,  die man mir hoffentlich nachsehen wird.

Wieder in Kontakt mit unserer Instinktnatur, bzw. unserer inneren Stimme, zu treten: dazu möchte auch das diesem Buch zugehörige Orakel ermutigen. Gemeint ist damit die wichtige, da wesentliche, Kommunikation mit uns selbst. Das, was ich einmal als „wahre Rückbindung“ an unsere eigenen Wurzeln bezeichnen möchte: eine wert- und kraftvolle Verbindung, die in den meisten Menschen nur noch kümmerlich vor sich hin darbt. Warum das so ist? Nun, weil eine solche Verbindung zu uns selbst nicht erwünscht scheint in einer modernen Leistungsgesellschaft, die ihre Bürger lieber zu leicht lenkbaren Konsumenten erzieht, anstatt wirkliche Individualität zu fördern. Für mich selbst bedeutet Individualität vor allem einzustehen für jene Werte, die man für sich als richtig, wahr und (lebens-)tauglich erkannt hat und dann auch (vor-)lebt, anstatt sie nur mündlich oder in Büchern zu propagieren.

Doch um individuell zu sein, verlangt es Mut, Ausdauer, Selbstdisziplin und Selbstvertrauen. Und genau deshalb auch lautet das eigentliche Ziel, das ich mit der Kreation dieses Orakeldecks stets verfolgt habe: Selbstermächtigung! Denn nur ein sich selbst ermächtigender Mensch wird irgendwann auch für sich selbst Entscheidungen treffen, um für seine Taten und deren Konsequenzen selbstverantwortlich einstehen zu können. Wer sich hingegen Zeit seines Lebens hinter irgendwelchen Ausflüchten, Institutionen oder anderen Menschen versteckt, weil er lieber den bequemeren Weg gehen möchte, der mag dieses Buch zwar lesen, die Bilder darin betrachten und einiges für sich daraus mitnehmen, die Karten dazu aber besser meiden. Allen anderen sei gesagt, dass wer zur Quelle zurück will, gleich dem Lachs gegen die Strömung schwimmen muss. Wenn natürlich auch nicht ständig. Doch wer die Erkenntnisse, Werte und Geister (oder Energien) unserer Ahnen leichtfertig abtut oder meint gänzlich ignorieren zu können, der wird auf seinem (spirituellen) Weg immer ein entwurzelter und damit irgendwann auch sinnentleerter Mensch bleiben.

Vieles ist derzeit global im Umbruch und Wandel. Immer mehr Menschen, die in dieser postmodernen Zeit weder Halt noch Orientierung erfahren, sind wieder auf der Suche nach ihren spirituellen Wurzeln. Hierbei möchten Buch und Orakel ein wenig begleiten. Möge die „Weltenesche“ daher auch weiterhin all jenen hilfreich zur Seite stehen, die mehr über sich selbst und die Mechanismen des Unbewussten zu erfahren wünschen. Die alten Götter und Archetypen unserer Vorfahren sind nicht tot. Vielmehr schlafen sie träumend, erwachen aber auch manchmal im Strom der Zeit und warten darauf, dass wir uns ihrer wieder erinnern.

Mit Heil und Segen, 

Voenix,                               im Sommer 2016