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Magie der Runen - Leseprobe

Das Futhark

Urgermanisch: Fehu = Rinder, bewegliches Eigentum, Vieh
Altnordisch: Fe = Lebendes Inventar, Geld
Altenglisch: Feoh = Vieh, Geld


1. Fehu  

Alternative Form:
Phonetischer Wert: f
Symbolisiert: die Hörner des Viehbestandes
Impulsworte: Vieh, Geld, Feuer, beweglicher Besitz, Macht, Ausdehnung, Fruchtbarkeit, Erschaffung und Zerstörung

Baum: Holunder
Heilkraut: Nessel
Astrologie: Widder
Tarot: Turm (E. Thorson) / Magier (Akron)
Polarität: weiblich
Farbe: Feuerrot
Gottheit: Frigg / Freyr / Freyja
Element: Feuer

Stadha:

Fehu ist die erste Rune und repräsentiert die kosmische, schöpferische Energie der Bewegung und Ausformung im Universum. Sie steht für die Idee an der Schwelle zur materiellen Manifestation, was im nordischen Mythos durch die Gedanken(blitze) der Götter repräsentiert wird, die ihre Vorstellungen von den unter der Erdoberfläche lebenden Zwergen (den Mineral- und Elementarwesen) in die Form schmieden lassen. So wie vor Milliarden von Jahren die Erde aus glühender Magma hervortrat, um sich Stück für Stück aus der erkaltenden Materie zu formen, steht Fehu für die aus Muspelheim schießende Feuerkraft, die sich im Ginnungagap, dem "Gähnenden Abgrund der Leere", einst mit dem aus Niflheim strömenden Eis (siehe Isa) verband, dort abkühlte und gemeinsam den Ur-Riesen Ymir und die Ur-Kuh Audhumla (die Saftreiche) hervorbrachte. Audhumlas Milch nährte den Ur-Riesen, aus dessen Leib die Götter später Midgard (die Welt der Menschen), erschufen. Somit steht die mythische Ur-Kuh für den ewig nährenden Aspekt der "Großen Mutter" aus dessen Euter sie alle Lebewesen gleichermaßen säugt. Deshalb ist Fehu, obwohl expandierender Natur, vorwiegend weiblicher Polarität zuzuordnen, da dieses Feuer aus dem Schoss der Erde hervortritt, während Uruz, die zweite Rune, mehr den männlich-zeugenden Aspekt darstellt.
Die ersten drei Runen bilden interessanterweise das Wort "Futh", was sicherlich nicht zufällig auf die "heilige Fut der Großen Erdmutter" hinweist, der einstmals alle Schöpfung entsprang und die bei einigen Naturvölkern selbst heute noch auf die ein oder andere Weise höchste Verehrung erfährt. Das diese all-schöpferische und all-heilende Macht in unserer Gesellschaft jedoch ein klägliches Schattendasein fristet, offenbart sich bspw. in dem obszönen Begriff "Fotze", das als stark negativ besetztes Schimpfwort gilt.
Dem zerstörerischen, weil nahezu unkontrollierbaren Aspekt der Fehu-Rune begegnen wir in der Edda. Als es zu den Ragnarök (Endschicksal der Götter) kommt, ist es Surt, der schwarze Feuerriese, welchem Freyr, der wanische Fruchtbarkeitsgott und Gehörnte (Symbol der zeugenden Natur, der er als ihr Geliebter und Sohn selbst entstammt) unterliegen muss. Surt zerstört die Welt mit seinem Flammenschwert und vollendet den kosmischen Kreislauf, was gleichzeitig aber die Vorraussetzung für einen Neubeginn schafft.
Auf der Karte symbolisiert eine aus dem Feuer hervorstürmende Rinderherde Fehus Kraft. Rinder oder das Vieh hatten bei unseren Vorfahren einen hohen Stellenwert. Zum einen verkörperten sie Fruchtbarkeit, zum anderen war der Viehbestand das Maß des beweglichen Besitzes schlechthin, mit dem der Reichtum des einzelnen oder der ganzen Sippe angegeben wurde. Rinder waren beliebtes Tausch- und Zahlungsmittel und stellten gleichzeitig eine wichtige Nahrungsgrundlage dar. "Fe" ist der altnordische Name dieser Rune und bedeutet soviel wie "Gebühr".
Als bewegliche Macht steht Fehu heutzutage in direktem Zusammenhang mit Geld. Wie auch immer unsere Einstellung zum Geld aussehen mag, bildet es doch die notwendige Grundlage für unser Leben, weshalb seine Wichtigkeit nicht zu leugnen ist. Wer sorgsam mit ihm umgeht, es achtet, fließen lässt und nicht zum Lebensinhalt oder persönlichen Götzen macht, wird ernten, was er gesät hat. Wer aber vergisst zu säen, der wird im nächsten Jahr vor leerem Acker stehen. Innerer wie äußerer Reichtum kann aber auch Gefühle wie Neid, Geiz und Habsucht hervorrufen: ein weiterer wichtiger Grund dafür, dass Reichtum, ob materieller, geistiger oder spiritueller Natur, nie dem reinen Selbstzweck dienen, sondern immer in irgendeiner Form weitergegeben werden sollte.
Da Macht immer auch voraussetzt, dass man sie zu kontrollieren und zu lenken weiß, ist es wichtig, einen "bewussten" Willen und die nötige Verantwortungsbereitschaft mitzubringen, da sonst Machtmissbrauch und Korrumpierung früher oder später zum Verlust dieser Position führen.
Auf spiritueller Ebene beinhaltet Fehus Konzept demnach den Willen zur Tat und weist auf das innere Feuer unseres Selbst hin, das seine symbolische Darstellung in der Kraft des Feuerdrachens bzw. der großen Feuerschlange (Kundalini) erfährt, die tief in uns verborgen (körperlich im Steiß) auf ihre Erweckung wartet.

Karte: Die aufrechte Fehu ist eine Bestätigung unserer Vorhaben und Projekte und fordert uns auf, unser Ziel im Auge zu behalten. Sie bestärkt uns bei unseren Bemühungen und hält uns an, den Kampf nicht aufzugeben. Wenn wir geduldig und ausdauernd, ja mitunter sogar hartnäckig bei der Sache bleiben, werden wir sämtliche Hindernisse und Probleme überwinden, auch jene, die uns momentan nahezu verzweifeln lassen. Da Fehu auch Wohlstand bedeutet, werden unsere Anstrengungen belohnt werden. Allerdings müssen wir uns unsere "Lorbeeren" durch ehrliche Arbeit und willentlichen Einsatz verdienen.
Das gleiche gilt für unsere persönlichen Beziehungen und spirituellen Wege. Ausdauer und Beständigkeit sind Ausformungen unseres Willens, der nun möglicherweise auf die Probe gestellt sein will.
Allgemein steht Fehu für eine gesunde Verwurzelung im Materiellen, ebenso verspricht sie Gewinn durch Großzügigkeit und freies Fließenlassen lebendiger Energien.

Steht Fehu auf dem Kopf, ist sie ein Zeichen für Geldmangel und die daraus entstehende Einschränkung unserer Bewegungsfreiheit. Weiter Zweifel, Hemmungen und Fehlschläge, die im schlimmsten Fall zu großen finanziellen Verlusten, ja sogar zur Armut führen können. Auf Geldspekulationen sollten wir jetzt besser verzichten. Verluste durch Geiz und Habgier, aber auch durch sinnloses Verschleudern von Besitz können an die Substanz gehen, wenn keine vernünftige Einstellung zu den Gesetzen des materiellen Seins gefunden wird. Auch Machtmissbrauch, etwa indem wir andere finanziell von uns abhängig machen oder ausnehmen, ist oft Ausdruck und Folge fehlgeleiteter Gier. Wir sollten uns fragen, wo die Sucht nach Macht oder im umgekehrten Fall, die Ablehnung von Macht, unserer Entwicklung im Wege steht.

Urgermanisch: Uruz = Auerochse
Altnordisch: Ur = Sprühregen, Regen
Altenglisch: Ur = Bison, Ochse

2. Uruz  

Phonetischer Wert: u
Symbolisiert: den Auerochsen oder auch fallenden Regen
Impulsworte: Auerochse, Urkraft, Verwurzelung, Erdung, Gesundheit, Ursprung
Baum: Birke
Heilkraut: Sumpfmoos
Astrologie: Stier
Tarot: Die Hohepriesterin
Polarität: männlich
Farbe: Dunkelgrün
Gottheiten: Wanen / Urd, die älteste der 3 Nornen
Element: Erde

Stadha:

Uruz ist die formgebende Urkraft des Universums, welche mit konzentriertem Willen (Fehu) die Manifestation bestimmt. Diese Energie ist unzerstörbar, roh und unglaublich stark. Sie wirkt in Mensch und Tier als Fähigkeit, sich mit hartnäckiger Ausdauer an die Umwelt anzupassen, zu überleben und Nachkommen zu zeugen. Zusammen mit Fehus Energie wirkt die Kraft von Uruz ständig an einem gemeinsamen Schöpfungsprozess. Die zwei Runen stehen in enger Beziehung zueinander, und beiden werden in ihrer Deutung Rindertiere zugeordnet.
Der mächtige und muskulöse Auerochse ist das Symbol für die männliche Ur-Kraft schlechthin. Bis ins 16. Jahrhundert durchstreifte dieses inzwischen ausgestorbene, weil unzähmbare Wildrind unsere einheimischen Sümpfe und Moore. Es zu erlegen, verlangte viel Mut und Geschick und war bei manchen Stämmen eine Mutprobe für die jungen Männer, die nach erfolgreicher Jagd ihre Kriegerweihe erhielten. Die riesigen Hörner des erlegten Tieres, das eine Risthöhe von bis zu 1,80 m haben konnte, dienten als Trinkgefäße oder fanden ihren Platz auf Opferaltären.
Hinweise auf den Mythos des Ur-Rinds finden wir in den Versen der Edda: Als das Eis im Ginnungagap (Ur-Chaos) durch die aus Muspelheim einströmende Hitze (Fehu) schmolz, entstand Audhumla, die Saftreiche. Sie war die kosmische Ur-Kuh und eines der ersten Lebewesen. Von ihrem Euter ernährte sie den Stammvater aller Reifriesen: Ymir. Aus den salzigen Eisblöcken, die sie beleckte, kam das erste menschenähnliche Wesen zum Vorschein: Buri, der Stammvater aller Götter, die später Ymir zerteilten und aus seinen Gebeinen die Welt formten.
Uruz hat weiter eine Verbindung zum sogenannten Ur(d)brunnen, dem Lebensquell der Urd, der ältesten der drei Nornen (siehe Perthro), welche die Schicksalsfäden spinnen. Es heißt, dass die Seele nach dem Tod wieder in ihren Brunnen zurückkehrt, wo sie fortan verharrt, um auf ihre Neuverkörperung zu warten. Auf diesem Brunnen ziehen zwei Schwäne ihre Kreise, deren weißes Gefieder Inbegriff aller Reinheit und Schuldlosigkeit darstellt. Da der sichelförmige Halbmond auch die Form eines Horns besitzt, findet sich hier ebenso eine schöne Verbindung zu der zyklischen Erneuerung der allmonatlichen Blutung der Frau, die sich in dieser Zeit innerlich reinigt und das Ungenutzte wieder abstößt. Als "Große Weberin" (Hohepriesterin) hütet die Norne Urd die Mysterien des Orlögs (den Schicksalslauf der Welt) und webt unser Wyrd (Einzelschicksal). Dieses persönliche (Lebens-)Muster, bauen wir in unserem Leben beständig weiter aus, indem wir es mit dem Wyrd anderer Menschen verknüpfen, mit denen wir zu tun haben.
Weit mehr als 90 % seiner bisherigen Geschichte lebte der Mensch als Jäger und Sammler. Somit befand er sich in ständigem intimen und direkten Austausch mit der Natur. Uruz ist die Wurzel, auf der unser Leben gründet, und sie fordert uns auf, in unserem eigenen Ur-Grund zu forschen. Die Silbe "Ur" findet ihre Verwendung im deutschen Sprachgebrauch gewöhnlich am Anfang von Wörtern, die etwas bezeichnen, was unbestimmbar lange her ist und anfänglich noch unverfälscht war (Urknall, Urahne, Urteil usw.). Erdverbundenheit, Realismus und eine klare Sicht der Welt fern aller Selbsttäuschung sind Voraussetzung, um diese Kraft neu erfahren zu können. Geduld und Ausdauer mit uns selbst und anderen, Mut und Aggression zum richtigen Zeitpunkt sowie eine gesunde, natürliche Lebensweise werden uns helfen, uns frei zu machen von festgefahrenen Vorstellungen und Zwängen. Die Kraft von Uruz kann dabei von großem Nutzen sein.
In der praktischen Runenarbeit wird Uruz gerne zu Heilzwecken gebraucht, wobei sie das Immunsystem stärkt und "erdende" Regenerationsprozesse beschleunigt.

Karte: Liegt die Karte aufrecht, steht sie für Gesundheit und den Erwerb von beständigen und bleibenden Werten, die es in unser Leben zu integrieren gilt. Projekte, welche unsere Kraft und Ausdauer testen, werden am Ende Erfolg haben, wenn wir bereit sind dran zu bleiben. Wir stehen fest verwurzelt in unserer Mitte und erfreuen uns bester Vitalität. Sollten wir körperlich nicht ganz auf der Höhe sein, dürfen wir auf baldige Genesung hoffen. Unsere Abwehrkräfte erstarken innen wie außen, und wir erleben allgemein einen neuen Aufschwung. Geeigneter Zeitpunkt für Heilungen, dem Auswerfen der Saat und zur Umsetzung von aufwändigen Projekten.

Auf dem Kopf stehend zeigt uns Uruz die eigene Sturheit und Unnachgiebigkeit, ebenso ängstliches Sicherheitsdenken und/oder blindes Klammern ans Materielle. Unser Immunsystem ist geschwächt, Krankheit kann die Folge sein. Auch mangelt es uns an Durchsetzungsvermögen und der Motivation, Angefangenes zu Ende zu bringen. Stagnation und die Angst etwas loszulassen bestimmen unsere Situation. Auseinandersetzungen können jetzt unerwartet grob und gewaltsam geraten. Hier rät die umgekehrte Uruz zu Umsicht und einer angemessenen Objektivität. Frage dich, was dir Kraft und Freude im Leben verschafft und ebenso, was dir die Energie raubt. Hast du beides für dich bestimmt, handle entsprechend! "Kraft weckt Kraft"
(F. Nietzsche)