Informationen Inhaltsverzeichnis Leseprobe Vorwort In Lokis Feuerschmiede - Jetzt bestellen bei amazon.de
Hier auch Leserrezensionen!

In Lokis Feuerschmiede - Leseprobe

Leseprobe

Urzeit war es, Gebirge wuchsen,
Schären erhoben sich aus salz'ger See,
als ein blitzgewaltg'er Riese,
tosend spaltend ins Gehölz einfuhr.

Funken flogen, Späne glimmten,
schwelend empor stieg Rauchgewirk.
Ein Kindlein wohlgestaltet saß inmitten,
sich staunend reibend beide Äuglein.

Lokis Geburt
und seine ersten Jahre bei den Wanen

Am Anfang allen Seins, als im ewigen Ginnungagap noch völlige Finsternis herrschte, schieden sich voneinander einst Feuer und Wasser. Nifelheim, die Welt des ewigen Eises und der lebensfeindlichen Kälte, kristallisierte sich hervor, während sich ihr gegenüber Muspellheim, die Welt des Feuers und der alles hinfort brennenden Lava, verdichtete. Muspells Hitze brachte die Gletscher zum schmelzen und daraus entstanden die ersten Eisströme, die man noch heute die Elivagar heißt. Als diese breiten Eisflüsse endlich auf Muspellheims glühende Lavaströme trafen, kam es zu einer Vielzahl gewaltiger Explosionen, sodass leuchtende Funkenflüge wie Fontänen ans ewige Firmament hinaufgeschleudert wurden. Jene Funken, die nicht verglühten, stehen dort noch heute und man sagt, dass sie von oben als leuchtende Sterne zu uns herabblicken.

Ein besonders heller Funkenspan aber schien sich diesem kosmischen Spektakel widersetzen zu wollen, denn in weitem Bogen raste er unaufhörlich über die noch unfertige Welt, die erst in ihrer Entstehung begriffen war. Alle weiteren Funken, welche seine Bahn kreuzten, wurden von ihm im Fluge aufgenommen. Energien verschmolzen miteinander und wuchsen stetig zu etwas eigenständigem Größeren heran. Irgendwann hatte dieser einzelne Funken so viel Hitze und Energie angesammelt, dass er mit seinem feurigen Schweif als leuchtende Kugel kometengleich über den schwarzen Nachthimmel raste.

In der Zwischenzeit hatte sich Niflheims Eis wieder festgesetzt, und aus seinem Reif schälten sich beständig weitere gebirgsartige Formationen hervor. Der Ur-Riese Ymir war im Begriff sich zu verdichten und in die Raum-Zeit hineinzugebären. Genährt wurde sein unstillbarer Hunger von der Urkuh Audhumla, aus deren labenden Zitzen die Milchstraße hervorsprudelte. Erst viele Zeitenalter später sollte Audhumla den ersten menschenähnlichen Riesen Namens Buri aus dem Eis lecken, dessen göttliche Nachkommen Ymirs Grund anhoben, seine Gebeine zerteilten und daraus schließlich die Welt der Menschen formten.

Als all die Wolken, welche aus der großen Fusion zwischen den beiden Urelementen entstanden waren, sich endlich abgeregnet und ausgeschüttet hatten, war daraus die tiefe See entstanden. Doch unaufhörlich pumpten Muspells unterseeische Vulkane das Blut der Erde hervor, das sich zischend und gurgelnd seinen Weg an die salzige Wasseroberfläche bahnte, wo es mit seiner erkalteten Kruste eine Vielzahl kleinerer Schären formte. Das erste Festland entstand, so dass jene besagte Feuerkugel ihre scheinbar ziellose Flugbahn immer näher zur Erdoberfläche hin lenkte, von deren Masse sie unaufhörlich angezogen wurde. Doch es sollte noch ein weiteres Zeitalter vergehen, an deren Ende die Kugel so dicht und funkensprühend über den Meeresspiegel raste, bis sie schließlich auf ein kleines Eiland traf, auf dem sich bereits die ersten Baumriesinnen angesiedelt hatten. Groß wie Türme waren diese Bäume, aus den Haaren des Urriesen Ymir gemacht; ihre kräftigen Wurzeln dabei tief ins Erdreich bohrend. Inmitten dieser Insel also schlug der einstige Funken nun als tosender Kugelblitz ein, ließ das ganze Eiland erbeben und sprengte durch seinen Aufprall einen breiten Krater daraus hervor. Das Heulen des aufkommenden Sturmwindes, der das durch die Explosion heruntergerissene Laub in die Höhe wirbelte, schien die gesamte Insel wie nach einer schwer erfolgten Geburt erleichtert aufzuseufzen zu lassen.

Als der dichte Qualm sich endlich verzogen hatte, sah man auf dem Grund der Grube zwei seltsame kleine Wesen sitzen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit menschlichen Säuglingen besaßen, sich untereinander aber etwas in Größe und Aussehen unterschieden. Nur unweit von diesen beiden entfernt, war der Kugelblitz weiter in einen der großen Bäume eingefahren, dessen Stamm er von der Krone bis zur Erde hin entzweigespalten hatte. Inmitten all dieser sich glühend nach oben hin kräuselnden Holzspäne saß nun ein drittes Wesen, dass selbst noch von innen heraus zu leuchten schien. Da der Sturmwind, der selbst ein gewaltiger Luftgeist und Riese ist, sich von der Laubinsel, die Nal oder Laufey geheißen ward, als Treumund eingeladen sah, bedachte er die drei kleinen Geschöpfe darauf mit Namen. Da die beiden Geschwister in der Grube männlichen Geschlechts waren, gab der Wind dem ersten den Namen Byleist, den Blitzenden, da der Kleine weiß aufleuchtete, sobald eine Böe ihn erfasste. Der zweite ward von ihm Helblindi, der Totenblinde, genannt, denn er schien ob all der gleißenden Helligkeit um ihn herum schon zu Beginn erblindet und begann sich sogleich krabbelnd in einem dunklen Kaninchenbau zu verkriechen. Der Dritte aber, der noch immer am Wurzelgrund des gespaltenen Baumes hockte, besaß eine Mischung aus beiden Geschlechtern und war von schönstem Wuchse. Seine Ohren liefen oben leicht spitz zusammen wie es sonst nur bei den Elben und Luftgeistern üblich ist. Da der Kleine dem Sturmwind aus seinen wachen Äuglein fröhlich entgegenlachte und mit seinen Händchen das wild herumwirbelnde Laub sogleich neugierig zu erhaschen suchte, nannte er diesen Lopt, den Luftigen.

In den folgenden Jahren wuchsen diese drei Geschwister nun gedeihlich heran, da sie auf dem Eiland alles an Nahrung vorfanden, was sie für die erste Entwicklung ihres Daseins benötigten. Der Sturmwind trieb ihrer Mutter Laufey den Samen und die Pollen nützlicher Pflanzen zu, die auf ihr rasch keimten und den drei Sprösslingen die herrlichsten Früchte bescherten. Dass Lopt sich von den beiden anderen jedoch nicht nur in seiner Doppelgeschlechtlichkeit unterschied, sollten seine Brüder schon früh zu spüren bekommen, denn jener begann sich auf der längst erschlossenen Insel schon bald ganz schrecklich zu langweilen. Wann immer er Gelegenheit dazu hatte, neckte Lopt die beiden mit seinem Schabernack und spielte ihnen Streiche. Dass führte soweit, dass sich die beiden geplagten Brüder bei ihrem Treumund über den garstigen Luftikus beklagten, der ihnen ihr sonst recht beschauliches Leben auf der kleinen Insel arg verleidete. Der Sturmgeist beschloss darauf den jungen Lopt mit sich zu nehmen und kurzerhand an anderen Gestaden abzusetzen. Schließlich war die Welt inzwischen groß geworden und was sollten Lebewesen sich auf die Füße treten und gegenseitig das Leben schwer machen, wo doch soviel Platz für alle war?

Dieser Beschluss gefiel dem neugierigen Lopt natürlich sehr, und früh fühlte er sich darin bestätigt, dass wenn man im Leben weiterkommen will, es nur gar bunt und allzu lustig treiben muss. Bevor er aber seinen Abschied von der Insel nahm, trat der kleine Lopt noch einmal vor jene Dreiergruppe alter Baumriesinnen, die ihn für eine letzte Unterweisung zu sich gerufen hatten. Der Sturmwind fuhr raschelnd in ihre gewaltigen Baumkronen und knarrend teilten sie ihrem Zögling mit, dass, sofern es ihm gelänge seine ihm mitgegebenen Gaben und Talente in die Dienste anderer zu stellen, er zu Höherem berufen sei. Zuvor aber müsse er lernen seinen Stolz zu bändigen und Nachsicht mit anderen zu üben, denn vieles von dem, was ihn auf seinen Wegen erwarte, sei nichts anderes, als die Auswüchse seiner eigenen Taten, mit denen er glaube, diese Welt beeindrucken zu müssen. Der kleine Lopt freilich, der noch nicht ermessen konnte, was er in diesen gutgemeinten Ratschlägen und Orakelsprüchen finden sollte, hatte die zu eng gewordene Insel gedanklich schon längst verlassen und harrte ungeduldig der Dinge, die dort draußen auf ihn warten mochten.

So trug der Sturmwind Lopt über das weite Meer, bis er ihn endlich an einem üppig bewachsenen Festland absetzte. Diese Gegend nannte sich Wanaheim und war über und über von saftig grünen Wiesen und mit dicht belaubten Wäldern bedeckt, in denen sich eine unerschöpfliche Vielfalt der verschiedensten Tiergattungen und Waldwesen tummelte. An dieser Küste sowie weiter im Landesinneren hatte sich das Volk der Wanen angesiedelt; große menschenähnliche Wesen, die wie Loki von den ersten Riesen abstammten, sich im Laufe der Zeit aber zu einem eigenständigen Zweig entwickelt hatten. Die meisten von ihnen hatten eine helle Haut, blonde Haare und besaßen wasserblaue Augen. Die Wanen ernährten sich von dem, was die Wälder und das Meer ihnen an Nahrung bescherten und hatten bereits damit begonnen, Erde urbar zu machen und Felder zu bestellen.

Als der kleine Lopt nun bei ihnen auftauchte, nahmen die Wanen das fremde Kind mit dem ungewöhnlichen Namen freundlich in ihrer Mitte auf. Hier gewann der lebensfrohe Riesensprössling sich rasch manchen Freund, da das Auge eines jeden Betrachters gerne auf seiner schön gewachsenen Gestalt ruhte. Seine glatte Haut schimmerte bronzen und war weit weniger behaart wie die seiner übrigen Altersgenossen. Und da Lopt eine ungewöhnlich rasche Auffassungsgabe besaß, lernte er schnell sich den Sitten und Gepflogenheiten dieses Volkes anzupassen. Wie bei allen Naturvölkern, die in warmen Gefilden beheimatet sind, liefen auch die Wanen fast immer nackt herum. Ein Umstand, den auch der kleine Lopt nie in Frage gestellt hatte, allerdings bis zu jenem Zeitpunkt, als er erkennen musste, dass viele seiner Altersgenossen mit seiner Zweigeschlechtlichkeit nicht klarzukommen schienen. Vielfach wurde er ausgelacht und als einer gehänselt, der sich später selbst befruchten könne, um seine Kinder auszutragen. Das veranlasste ihn schon früh dazu sich abzusondern und seinen männlicheren Eigenschaften den Vorzug zu geben; alleine schon deshalb, um sich unter Seinesgleichen besser behaupten zu können. Zumindest nach außen hin, innerlich aber begann er die Männer für ihr rohes und balzendes Gehabe schon bald zu verachten, hinter dem sich zumeist nur die blanke Angst vor Versagen verbarg.

Doch gab es auch Wanen, die in Lopts Eigenart und Zweigeschlechtlichkeit eine Gabe sahen, die zu fördern sie als Wert befanden. Zu ihnen gehörte ein schon hochbetagter Mann, der mit anderen Frauen innerhalb des Stammes den Rang eines Goden und Opferpriesters bekleidete. Jener versuchte Lopts Vertrauen zu gewinnen, indem er sich diesem als Gleichgesinnter zu erkennen gab und ihm den Vorschlag unterbreitete, ihn später in seine eigenen Fußstapfen treten lassen zu wollen. Sobald er sich für den Weg eines Priesters entschieden habe, so meinte der Gode, würde ihn fortan niemand mehr ob seiner Gesinnung zu tadeln oder zu verspotten wagen. Lopt, stets aufgeschlossen für alles Neue, gefiel dieser Vorschlag und nahm das Angebot dankend an. Zum ersten Male kleidete er sich in Frauentracht, trug seine langen Haare zu einem Kranz geflochten und folgte gelehrig den Anweisungen seines neuen Lehrers, der sich mühte, ihm alles Wissenswerte beizubringen. Zwar fand der neue Schüler die Vorstellung andere Kräfte als die eigenen anzubeten und zu verehren etwas sonderbar und albern, war gleichzeitig aber dankbar, endlich zu jemandem aufblicken zu können, der sich darüber hinaus um ihn kümmerte und auf ihn einging. Als eine erste kleine Einweihung anstand, erhielt Lopt die Aufgabe, sich einen eigenen neuen Namen zu geben, was Lopt dazu veranlasste, sich fortan Loki zu nennen.

Unglücklicherweise beschränkten sich die Unterweisungen seines Lehrers nicht nur auf die geistigen Bereiche, denn Lokis noch unschuldige Anmut hatten bei dem alten Mann ein Bedürfnis geweckt, welches jener bei sich selbst schon unlängst abgelegt zu haben glaubte. So kam es schließlich wie es kommen musste. Als Loki sich von dem Alten einmal auf einen Baum heraufhelfen ließ, um von oben ein paar Misteln herunterzuwerfen, glitt des Goden helfende Hand so eindeutig zwischen Lokis Schritt, dass der entrüstet einen Satz nach vorne tat und sich fortan weigerte, auch nur noch einen Fuß in die priesterliche Hütte seines Lehrers zu setzen. Das war dann das Ende von Lokis Laufbahn als künftiger Gode, die so kurz war, dass sie bis heute eigentlich nirgendwo Erwähnung findet.

Bei den Wanen lernte Loki auch den jungen Njörd kennen, der war der Sohn eines mächtigen Meeresriesen. Dieser Njörd war es, der sich später mit der Großen Wanin Fjörgyn vermählte, die manche auch Nerthus oder Jörd rufen. Fjörgyn gebar dem Njörd ein Zwillingspaar, einen Jungen und ein Mädchen, welche auf die Namen Freyr und Freyja hören. Beide sah der Sohn der Laufey in ihren ersten Kinderjahren noch mit aufwachsen, doch bevor die Zwillingsgeschwister für Loki hätten interessant werden können, musste er Wanaheim wieder verlassen. Und das kam so:

Die gescheiterte Ausbildung zum Goden lag inzwischen in weiter Ferne, dennoch schien es mit ihm und den Wanen eine ganze Weile recht gut zu gehen. Dieser Abschnitt seines noch jungen Lebens, den wir respektvoll als "Lokis Schonzeit" bezeichnen wollen, endete zu jenem Zeitpunkt, als der lebenslustige Riesensprössling sich wieder schrecklich zu langweilen begann. Dies allein wäre nun freilich noch kein Grund zur Besorgnis gewesen, denn Kinder und Jugendliche, die nicht viel mit sich und ihrer freien Zeit anzufangen wissen, wird es wohl zeitlebens immer geben. Doch wie wir schon erfahren haben, war bei Loki das große Übel, dass er diese Leerräume mit einer nahezu unerklärbaren Zwanghaftigkeit durch Streiche auszufüllen trachtete. Was anfänglich noch recht harmlos begonnen und schadenfroh belächelt werden konnte, entwickelte sich rasch zu einer Plage, die sich mit jedem weiteren gelungenen Streich verschärfte. "Übermut sucht seine Grenzen" wäre wohl der passende Titel für all jene Taten, die Lokis unerschöpflichem Einfallsreichtum zu jener Zeit entsprangen.

Als er einmal einem Mann, der ein Feuer entzündet hatte, um darin Abfälle zu verbrennen, heimlich Öl in dessen Wassertrog hineingoss, wurde jedoch selbst Loki von den Auswirkungen seines Tuns überrascht. Es gab eine solch gewaltige Stichflamme, dass seinem Opfer auf einen Streich sämtliche Körperhaare versengt wurden. Mit qualmendem Haupthaar rannte der erschrockene Mann darauf schreiend zum nächsten Fluss, aus dem ihn seine zusammengelaufenen Nachbarn aber sogleich wieder herausriefen, denn das Feuer hatte inzwischen auf seine Hütte übergegriffen. Natürlich kam jede Hilfe zu spät und dem Gepeinigten blieb nichts anderes übrig, als auf die schwelenden Überreste seines einstigen Zuhauses starren zu müssen. Es bedurfte der Kraft von fünf ausgewachsenen Männern den Geschädigten davon abzuhalten, Loki nicht das Fell über die Ohren zu ziehen, der bei seinem Streich von einem Zeugen beobachtet worden war.

Täter und Opfer landeten darauf vor dem Stammesrat, wo über die Böswilligkeit des Vorgehens befunden werden sollte. Auf die Frage hin, was den Angeklagten zu dieser schändlichen Tat bewegt haben könnte, antwortete dieser arglos, er hätte sich lediglich am Tanze der auflodernden Flammen erfreuen wollen, weshalb er diesen zu etwas mehr Größe verholfen habe. Der Rat brauchte nicht lange, um sich darüber einig zu werden, dass solch jugendlichem Übereifer am besten mit harter Arbeit zu begegnen sei. Nur wer keine ausfüllenden Aufgaben besitze, dem verbleibe überhaupt die Zeit, um derartige Ideen auszuhecken. Zunächst wurde Loki auferlegt, die Hütte seines Opfers wieder mit aufzubauen. Hernach würde er dem Geschädigten für ein ganzes Jahr zur Seite stehen müssen, um diesem sklavengleich und ohne zu murren die niedrigsten Dienste zu tun. Und von denen sollten nicht wenige auf den Verurteilten warten, denn sein Kläger zeigte sich ausgesprochen nachtragend. So kam es also, dass Lokis bis dahin unbeschwerter Kindheit durch sein eigenes Verschulden ein jähes Ende bereitet wurde.

Nun muss man wissen, dass es sich bei den Wanen um eine große Stammesgemeinschaft handelt, die sich wiederum aus mehreren Sippen zusammensetzt, von denen keine unter vierzig Kopf stark ist. Jedes Mitglied hat für den Erhalt des Ganzen einen entsprechenden Beitrag zu leisten, lediglich Kinder sind bis zum Erreichen ihres fünften Lebensalters davon im großen und Ganzen ausgenommen. Allerdings sollte sich hierbei schnell herausstellen, dass der kleine Lopt für handwerkliche und alltägliche Aufgaben kaum zu gebrauchen war. Die ihm übertragenen Dienste führte er nur selten ganz, und wenn doch einmal, nur äußerst unzufriedenstellend aus. Überhaupt stellte er sich dabei so ungeschickt an, dass jene, denen man ihn zum Hilfsdienst einteilte, meist froh darüber waren, wenn sie ihm am abendlichen Abschied wieder auf den Rücken blicken konnten. Zwar verstand Loki es immer wieder auf geschickte Weise andere für seine Zwecke einzuspannen, sodass sich jene vielfach noch geehrt darüber fühlten, dem Schönling zur Hand gehen zu dürfen, doch führte dies dazu, dass er bei den meisten Stammesmitgliedern bald den Ruf eines faulen Nutznießers und Tunichtgut genoss. Manche riefen ihn nur noch Loinn mit Namen, was soviel wie ‚der Faule' bedeutet.

Loki selbst schien sich daran allerdings nicht im geringsten zu stören. Im Gegenteil! Er genoss seine Sonderstellung als Außenseiter, die ihn somit immerhin von manch unliebsamer Fronarbeit befreite, die man sich ihm zu geben scheute. Viel lieber streifte er den ganzen Tag über durch die dichten Urwälder Wanaheims, brachte sich selbst bei, was er als lernenswert erachtete und lebte frei nach dem Motto - tu nur das, was dir gefällt. Alles, was nicht in diesen Bereich fällt, versuche um jeden Pries zu vermeiden! - Schließlich, so beteuerte er immer wieder, wolle er vor lauter Arbeit nicht alt werden, bevor er überhaupt jung gewesen sei...