Aufruf an alle Heiden

Die entweihte Donar-Eiche zu Fritzlar

Die entweihte Donar-Eiche zu Fritzlar

Ein Bericht und Aufruf von Voenix

Diese Geschichte beginnt damit, dass ich im Jahre 2005 gemeinsam mit einem befreundeten Verleger quer durch Deutschland reiste, um Recherchen für ein gemeinsames Buchobjekt zu betreiben, dessen vorläufiger Titel lauten soll: „Heidnische Symbole an christlichen Kirchen“. Unsere Reise führte uns unter anderem auch ins nördliche Hessen nach Fritzlar, um den dortigen St. Petri Dom aufzusuchen.

In Fritzlar soll bis ins Jahre 724 eine uralte, dem Germanengott Donar geweihte Eiche gestanden haben, die der ansässigen Bevölkerung als sichtbares Heiligtum ihres alten Glaubens diente. In besagtem Jahr nun wurde diese Eiche (angeblich eigenhändig) von einem Bischof Namens Bonifatius gefällt, der die Bevölkerung dafür hatte zusammenrufen lassen, um ihr vor Ort die Macht des neuen Glaubens zu demonstrieren. Die sah vor allem so aus, dass der germanische Donnergott keinen vernichtenden Blitz aus dem Himmel herab sandte, um die Zerstörung seines Heiligtums zu verhindern. Und damit seitens der empörten Bevölkerung auch keine irdische Verhinderung dazwischen kam, stand eine Abteilung schwer bewaffneter Frankenkrieger parat, bereit, beim geringsten Widerstand gnadenlos gegen jeden Aufrührer vorzugehen. Als die Eiche gefallen war, ließ Bonifatius aus ihrem Holz eine kleine Kapelle bauen, um die herum ein Benediktiner-Kloster entstand, die Keimzelle der späteren Stadt Fritzlar, deren offizielle Gründung noch im selben Jahr erfolgte.

Nun wird’s etwas aktueller! Anlässlich ihrer offiziellen Stadtgründung vor 1275 Jahren, haben die hiesigen Stadtväter dieses Jubiläum im Jahre 1998 mit einem Kunstprojekt begangen, für das der Kulturverein Fritzlar e.V. den Stuttgarter Bildhauer Ubbo Enninga gewinnen konnte. Dieser schuf darauf eine Bronzeplastik, die am 05. Juni 1999 – dem Tag des Heiligen Bonifatius – auf dem Domplatz aufgestellt wurde.

Als ich nun im Sommer 2005 aus dem Kloster trat, sah ich diese Plastik zum ersten Mal und war, ob ihres Anblicks, im wahrsten Sinne des Wortes wie vom Blitz getroffen. Sie zeigt Bonifatius im Mönchsgewand, der mit stolzem Blick auf dem Wurzelstumpf der abgehackten Donareiche steht. In der linken Hand hält er eine langstielige Axt, während die rechte eine Art Grundstein, bzw. Miniaturmodell des künftigen Klosters über eine schmale Säule hält, die unter anderem wohl auch eine stützende Funktion erfüllt.

Vom künstlerischen Standpunkt aus gesehen, ist dieses Denkmal durchaus eine gelungene und solide Arbeit. Doch das, für was sie steht, traf mich so unvorbereitet wie eine Ohrfeige. Dazu muss ich anführen, dass ich weder ein politisch orientierter, noch besonders religiöser Mensch bin. Umso überraschter war ich deshalb von meiner eigenen Reaktion, die sich in einem heftigen Gefühlsausbruch Luft machte. Ich war verletzt, zornig und traurig zugleich. Verletzt über diese offensichtliche Zurschaustellung eines gewaltsamen Aktes, der unsere Vorfahren so radikal ihrer religiösen Wurzeln beraubt hat. Zornig, dass offenbar bis heute – man bedenke das neuzeitliche Datum der Aufstellung – der Wunsch danach besteht, sich mit der einstigen Fällung der Donar-Eiche schmücken zu müssen, ungeachtet all jener Menschen, für die dieser Akt bis heute ein unverarbeitetes Trauma innerhalb der urheidnischen Kollektivseele darstellt. Und traurig war ich darüber, wie viele Menschen bis heute doch blind gegenüber dem Glauben anderer sind, vornehmlich von uns Heiden, die wir uns nun mal einem ganzheitlichen, sprich animistischen Weltbild zugehörig fühlen.

Seit jeher hatten und haben Bäume für uns Heiden eine besondere Bedeutung. Und auch, wenn sie für uns vielleicht nicht mehr ganz so heilig sind, so wird doch kein modern denkender Mensch, der ein einigermaßen gesundes Verständnis für seine Umwelt entwickelt hat, leugnen können, wie wichtig gerade in heutiger Zeit eine intakte Natur für unser aller Wohlbefinden, ja, künftiges Überleben ist.

Der Fall der Donareiche von Fritzlar (einige sind auch der Ansicht sie hätte im Nachbarort Geismar gestanden) mag für manch heutigen Christen zwar nach wie vor einen Triumph für den Sieg über den alten Glauben darstellen, für uns Heiden hingegen stehen ihr Fall sowie der Name ihres Schänders Bonifatius, von vielen bis heute gerne als „Apostel der Deutschen“ bezeichnet, lediglich für eine unerbittliche Zwangsbekehrung durch die römisch-katholische Kirche, die die Menschen im Deutschland des 8. Jahrhunderts sehr abrupt und radikal von ihren heidnisch-geistigen Wurzeln abschnitt. Diese relativ plötzliche und zumeist gewaltsame Zwangseinführung des Christentums hatte zur Folge, dass die nachfolgenden Generationen von Deutschen eine ähnlich kulturelle Entwurzelung erfuhren, wie es selbst heute noch solchen Randgruppen wie bspw. den nordskandinavischen Inuit widerfährt, denen übereifrige Missionare nicht müde werden ihr längst überholtes Weltbild aufzuzwängen.

Ich habe nach diesem Erlebnis vor 7 Jahren immer wieder mal darüber gebrütet, wohin ich mich mit meinem Frust wenden sollte. Einmal hatte ich sogar die Idee, ein großes Pappmache-Modell der Irminsul anzufertigen, um diese dem Bonifatius-Denkmal in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einfach überzustülpen, bis meine Gefährtin die Idee hatte, dort doch symbolisch ein kleines Eichenbäumchen zu pflanzen. Diese Idee wäre ebenso simpel wie durchführbar, allerdings gehe ich davon aus, dass ein Schössling an genau dieser Stelle eine nicht allzu lange Lebensdauer zu erwarten hätte. Weniger durch wetterbedingte Umstände, als vielmehr durch irgendwelche fanatischen Kirchenvertreter oder eben die Behörden – denn mal so einfach einen Baum an einem öffentlichen Ort zu pflanzen, geht ja schon mal gar nicht. Da könnte ja schließlich jeder kommen…

Je länger ich über all das nachdachte, desto mehr kristallisierte sich in mir der Wunsch, eine Art symbolischen Akt durchzuführen, der den geistigen Nachfolgern jener Menschen eine Stimme verleihen möchte, die damals ohnmächtig mit ansehen mussten, wie das, für was ihre Weltanschauung stand, vor ihren Augen zerstört wurde. Seither schwebt mir eine Art kleine „Gedenk-Zeremonie“ vor, mit der ich darauf aufmerksam machen möchte, was es für uns heutige Heiden bedeutet, wenn die Fällung dieser Eiche weiterhin idealisiert wird.

Durch meinen in den letzten Jahren erfolgten regen Austausch mit Asatru-Anhängern und auch durch andere heidnisch orientierte Menschen gestärkt, dass ich mit solch einem Anliegen sicherlich nicht alleine dastehen würde, rief ich zunächst meinen Bekannten Christian Kordas an, der als praktizierender Asatruar dem Eldaring angehört, einem Verein, der Deutschlandweit mittlerweile mehr als 200 Mitglieder besitzt. Mit ihm besprach ich mein Vorhaben und er bot mir an, mich bei dieser geplanten Aktion, zu der wir auch die Presse einladen wollen, zu unterstützen.

Um langsam zum Schluss zu kommen:

Unter dem Leitspruch: „Heiden vereinigt Euch“, planen wir am Samstag den 16. 6 eine Versammlung auf dem Domplatz der Stadt Fritzlar, auf der das besagte Bonifatius-Denkmal errichtet wurde.

Dort wollen wir ein Zeichen setzen, indem wir symbolisch einen jungen Eichensetzling aufstellen. Weiter wollen wir uns zu einem Kreis versammeln und eine Schweigeminute für all die Opfer einlegen, die im Laufe der Zwangs-Christianisierung für ihren alten Glauben gewaltsam getötet wurden. Darüber hinaus werden ein paar Vertreter der Szene ein paar Worte sagen, mit denen wir um religiöse Toleranz zwischen den Menschen im Allgemeinen aufrufen. Und wir wollen zeigen, dass es uns Heiden noch immer gibt und wir noch lange nicht tot sind, sondern dass wir nach wie vor mitten in Deutschland leben!

Wer danach was anderes vorhat und gehen möchte, kann dies dann gerne tun. Mit allen anderen wollen wir dann noch einen Grillplatz in der Nähe aufsuchen (wird vor Ort noch bekannt gegeben), um den Tag bei einem Grillfeuer und Gesprächen gemütlich ausklingen zu lassen. Gegebenenfalls werden wir dort auch noch den Eichensetzling wieder „entlassen“. Jeder ist hierbei Selbstversorger und achtet bitte darauf, keinen Dreck, Müll oder sonst etwas zu hinterlassen, das uns im Nachhinein als „Negativpresse“ ausgelegt werden könnte!

Ganz wichtig ist mir persönlich noch darauf hinzuweisen, dass wir weder einen Demo-Aufmarsch planen, noch irgendwelche „Randale“ beabsichtigen. Der Name Fritzlar kommt von Frideslar, und bedeutet so viel wie: „Ort des Friedens“, was bei dieser Aktion oberstes Gebot sein soll. Alle, die ihrem möglichen Unmut auf andere Weise Luft machen möchten, mögen deshalb bitte zuhause bleiben. Alle anderen sind jedoch herzlich willkommen und aufgefordert, an dieser Versammlung teilzunehmen. Ich will hier niemandem vorschreiben, welche Klamotten er tragen soll, nur wäre es schön, wenn wir nachher nicht alle in schwarz, sprich wie ein Leichenzug daherkämen. Denn es soll ja keine Trauerfeier werden. Ansonsten bringt gerne eure Kinder, Hunde und auch die Oma mit – je mehr Generationen kommen und je bunter wir sind, desto besser!

Ach ja, auch noch Wichtig! Da wir in einem Bürokratenland leben, musste ich diese Versammlung natürlich anmelden und als Veranstalter meinen Namen zu Protokoll geben. Deshalb muss ich an dieser Stelle noch kurz auf das deutsche Versammlungs-Gesetz hinweisen, welches das Tragen von Waffen jeglicher Art während einer Versammlung untersagt. Also bitte auch Grillmesser und ähnliches „Waffenbesteck“ verpackt im Rucksack lassen.

Okay, wer sich also hiervon angesprochen fühlt, Lust und Laune hat auf diese Weise mal Farbe zu bekennen und festen Willens ist, an dieser Versammlung teilzunehmen, der sende bitte eine kurze e-mail an diese Adresse:


fritzlar@roterdrache.org

Das ist notwendig, damit ich wenigstens ungefähr abschätzen kann, wie viele Leute kommen werden, da ich dies der Stadtverwaltung ein paar Tage vorher mitteilen muss.

Und hier noch mal der Termin und die Uhrzeit:

Wir werden uns am Samstag den 16.6.2012 auf dem Domplatz um 16 Uhr versammeln.

Parkmöglichkeiten sind vor Ort und in unmittelbarer Nähe des Domplatzes vorhanden. Bitte orientiert euch vorher und kommt rechtzeitig, denn wir wollen maximal noch 30 Minuten auf etwaige Nachzügler warten und dann spätestens um 16:30 Uhr beginnen. Die ganze Aktion wird voraussichtlich nicht länger als eine halbe Stunde, max. 45 Minuten dauern.

In der Hoffnung, dass viele von Euch diesem Aufruf folgen werden, freue ich mich auf Euer Kommen und verbleibe bis dahin mit Heil und Segen,

   Voenix

PS: Ach ja und als echte Heiden wird uns Regen natürlich nicht abhalten!

Übrigens: unter diesem Link gibts schon das erste Zwischenposting vom 10. Mai zur Aktion:

www.voenix.de/press/1-Zwischenbericht-Stand-Donars-Tag-der-10-Mai/21/index.html