News vom 28.04.2010

Buch-Vernissage zu Halloween

VERNISSAGE HALLOWEEN
31. OKTOBER 2000

AKRON
H.R. GIGER
VOENIX

ZUERICH
KUNSTMUSEUM BAVIERA

 

 

 

Am Dienstag, den 31.10. 2000, wurde das traditionelle Halloween in einer Ecke von Zürich auf ganz besondere Weise begangen. In der Galerie und Kunstmuseum Baviera, in der Zwinglistraße 10, luden Akron, Magier-Philosoph aus der Schweiz, H.R.Giger, der Altmeister der schwarzen Kunst und Voenix, Maler und Mythenkenner aus Deutschland, zu einer Präsentation ihrer neuesten Werke ein. Vorgestellt wurden: Dantes-Inferno, als Buch und in Comic-Form, vom Arun-Verlag und der H.R.Giger-Tarot, publiziert bei Taschen. Zu diesem Anlaß fanden sich ca. dreihundertfünfzig Besucher ein, die zum einen schriftlich benachrichtigt worden waren oder von dem Event durch Funk und Fernseher erfahren hatten. Auch die Homepages der Künstler hatten schon seit längerem auf diesen Abend hingewiesen.

Nach einer Art Pressekonferenz, die gegen 18 Uhr begann, füllten sich die Räumlichkeiten schon bald mit mancherlei skurrilem Völkchen, das aus Kunstkennern, Zauberern, Neuhexen, Szenegängern, Freunden der Veranstalter und auch manch Promis der Esoterik-Szene bestand. Beim Cocktail- und Sektempfang konnte man die Künstler und Gleichgesinnten im Vorraum antreffen, in welchem die vorgestellten Werke gleichsam erworben werden konnten.

Gegen zwanzig Uhr begann dann der eigentliche Event. Nachdem man zwei verwinkelte Treppen in die Tiefe hinabgestiegen war, gelangte man in einen recht geräumigen Keller, den man abgedunkelt und in ein magisches Farbenspiel getaucht hatte. Als Akron eine kleine Bühne betrat, um die erschienenen Gäste willkommen zu heißen, wurde schnell sichtbar, daß die gewählten Räumlichkeiten all die neugierigen Besucher kaum aufzunehmen vermochten. Bis in die kleinsten Ecken schien der Saal gefüllt und es dauerte einen Augenblick, bis auch der letzte andächtig der nun vorgetragenen Rede lauschte. Nach einer kurzen Einführung über die Vielschichtigkeit der menschlichen Seele und ihrer, für Unsereinen, nur sehr schwer durchschaubaren Mechanismen, übergab Akron das Mikrophon an Voenix. Ein Projektor warf eine ganze Reihe von Bildern an die Wand, bei denen es sich um die farbigen Originale zum Dante-Buch handelte, die einst von Voenix angefertigt, und nun von ihm in ausführlicher Weise dokumentiert wurden. Man erfuhr manches über “Die Reise des Helden in sein dunkles Inneres”, wo sich einst erlebte Traumen zu einer phantastischen, von archetypischen Motiven durchsetzten, Bilderflut verwoben. Alles auf interessante Weise in die ausdeutungsreiche Lehre von den Sternen, die Astrologie, eingebunden.

Darauf folgte eine Art tänzerischer SM-Performance, die zwei weibliche und zwei männliche Künstler zu den eindringlichen Klängen des “Baphomet” vorführten, einer musikalischen Umsetzung des gleichnamigen Buches durch die Gruppe Epilepsy. Während dieser Inszenierung warf der Projektor weitere Bilder an die Wand, bei denen es sich um die beeindruckenden Kartenmotive des Giger-Tarots handelte.

Nach Beendigung dieser Tanzeinlage schritten drei priestergleich gewandete Frauen, wovon zwei eine Kerze trugen, auf die Bühne. Eine hielt ein Buch in ihren Händen und mit andächtiger Gebärde wurden die ersten Seiten von “Dantes Inferno” aufgeschlagen. Eine wunderbare Lesung folgte, deren vorgetragene Wortgebilde einen erahnen ließen, daß hier, in dieser so bescheidenen Nische der “Dunkel-Esoterik”, seit langem einmal wieder ein Stück wahrhafte Literatur das Licht der Welt erblickt hat.

Nach dieser schauspielreifen Einlage gab es eine kurze Pause, in der man die erworbenen Bücher und Comics von den Künstlern im oberen Vorraum signieren lassen konnte. Obwohl von einer Erkältung leicht angeschlagen, war inzwischen auch Altmeister Giger erschienen, und nahm freundlich und gelassen die freudigen Huldigungen seiner zahlreich erschienenen Fangemeinde entgegen. Unten im Hauptsaal gaben die vier Tänzer/innen eine erneute Kostprobe ihres Könnens, während die ersten Gäste sich bereits wieder auf den Heimweg machten.

Schließlich, nachdem sich der Raum auf eine annehmbare Anzahl von Gästen geleert hatte, begann das abschließende Haloween-Ritual. Ein in eine dunkle Robe gehüllter Mann, der von einer Gruppe von sechs Priesterinnen begleitet wurde, schritt auf die Bühne zu. Nach einer kurzen Ansprache über die Besonderheit dieses Tages, bei der er darauf hinwies, daß die Grenzen zu den jenseitigen Reichen dünner als sonst seien, teilte er die anwesenden Männer und Frauen im Saal in zwei Hälften. Ein imaginärer Gang wurde geschaffen, der auf eine geschlossene Tür zuführte, die das Tor ins Jenseits symbolisieren sollte. Die Aufforderung lautete, auf diesem kurzen Weg einen Verstorbenen zu visualisieren, und ihm auf diese Weise zu gedenken. Obwohl einige der Anwesenden etwas irritiert zurücktraten oder suchten, sich diesem Geschehen auf ihre Weise zu entziehen, ließen sich doch die meisten auf die gesprochenen Worte ein. So war zu den andächtigen Klängen sakraler Chöre schon bald manch tief berührter und auch trauriger Blick zu bemerken, und für einige Minuten war der Saal von einer wunderschönen Todesagonie erfüllt. Zumindest für all jene, die bereit gewesen waren, sich auf diese kleine Reise in ihrem Inneren einzulassen.

Schließlich gingen die Lichter wieder an und der Zauber war vorbei. Die Menge löste sich langsam auf und es dauert noch fast zwei Stunden, bis alle Gespräche beendet, und sämtliche Gäste das Etablissement verlassen hatten. Zufriedenheit breitet sich aus und ein alter Kenner der Szene bringt es auf den Punkt, wenn er diesen gelungenen Abend mit einem jener großen Events vergleicht, wie er sie nur noch aus den 70-er Jahren her kennt. Einfach etwas besonderes für all jene, die das Glück hatten, dabei zu sein!