Das germanische Götterorakel - Selbsterfahrungsbericht

Selbsterfahrungsbericht einer praktizierenden Heilerin, die an dieser Stelle ihre eigenen Erfahrungen mit dem “Germanischen Götterorakel” zusammengefaßt hat.

Ein Blick ins Familienalbum, von Iris Siewert

Ein ausgesprochener Familienmensch bin ich gewiß nicht, doch gibt es eine Familie, der ich mich mehr verbunden fühle, als jeder anderen. Das mag daran liegen, daß ich mit einigen Mitgliedern dieser Familie sowohl beruflich wie auch privat sehr viel zu tun habe.
Da ich als Heilerin ebenso wie in anderen Bereichen täglich mit Runen arbeite, ergab sich mein enger Kontakt zu den germanischen Göttern nahezu zwangsläufig. Mit der Zeit entwickelte sich daraus tatsächlich ein recht familiäres Verhältnis. Und wie das halt in jeder Familie so ist, lag mir der eine mehr, der andere weniger. Dank dem Germanischen Götterorakel hat sich mein Verhältnis zu einigen bisher eher etwas vernachlässigten Familienangehörigen doch sehr verbessert.

Ich bekam diese Karten zu einem Zeitpunkt, als es mir alles andere als gut ging. Ich wußte, daß ich mich noch in diesem Jahr von meinem bisherigen Leben verabschieden mußte (durfte? konnte?) und hatte nicht die geringste Ahnung, was dann kommen sollte. Was kam, waren erst einmal diese 81 Karten und die erste , die ich zog, war Nr. 80: die “RAGNARÖK” , jenes Ereignis, daß von der Schicksalsbesiegelung des germanischen Göttergeschlechtes berichtet. Der “Untergang”- das bedeutete für mich, das Ende meiner Arbeit als Seminar- und Kursleiterin, wieder mal einen Umzug, die Trennung von Klienten, Freunden und Bekannten und zumindest einem Großteil meiner Habseligkeiten. Mit letzterem hatte ich ohnehin schon begonnen. Selbst meine heißgeliebten Bücher gab ich inzwischen leichten Herzens weg. Überhaupt gab es immer weniger, woran ich wirklich hing. Dennoch focht ich in dieser Zeit manchen Kampf mit meinen inneren Widersachern aus, freundete mich schließlich aber auch mit manchem an.
Kraft und Hilfe fand ich stets bei THOR. Das war schon immer so, weshalb er seinen Weg zu mir nicht erst durch eine Karte finden mußte. Ganz anders sah es da mit LOKI aus. Mit ihm hatte ich mich nie sonderlich beschäftigt. Und nun grinste er mir plötzlich entgegen und lud mich zu einer Auseinandersetzung mit meinem Widersacher ein.

LOKI, mein Schatten – der kam mir gerade recht. Gleich als ich die Karte zum ersten Mal in der Hand hielt, kam mir der Bursche irgendwie sehr bekannt vor (Hey Yo! Wrestling -Fans wissen wen ich meine). Es fiel mir gar nicht schwer, ihn bei mir willkommen zu heißen, mich mit ihm an einen Tisch zu setzen und einige Dinge zu klären. Irgendwie mochte ich den Kerl von Anfang an (ich gebe zu, ich hatte schon immer eine Schwäche für die “bösen Jungs”) und mit Thor und seinem Hammer hinter mir, gab es keinen Grund, mich nicht sicher zu fühlen. Ich war wild entschlossen, ihn zu einer Zusammenarbeit mit mir zu bewegen. Ich kann sehr überzeugend sein, auch meinem eigenen Schatten gegenüber! Und ob nun Mjölnir (sein Hammer) den Ausschlag gab (im wahrsten Sinne des Wortes) oder meine Argumente, wir schlossen am Ende einen Pakt. Das soll nicht heißen, daß wir uns von da an immer einig waren, aber wir bekämpfen uns seitdem nicht mehr. Ich gestehe ihm gewisse Rechte zu und erhalte dafür seine Unterstützung, wo sie nötig ist. Wir verstehen uns immer besser, wir beide, und werden so langsam ein richtig gutes Team.
Mein Verhältnis zu ODIN (Karte 1) war wesentlich komplizierter. Nun wurde ich mit ihm in seiner Gestalt als GRIMNIR (Karte 31) konfrontiert. Der maskierte Wanderer, der die Herzen der Menschen prüft, so trat er mir entgegen. Was blieb mir übrig, als mich ganz zu öffnen und mich dieser Prüfung zu stellen? Inzwischen war ich ohnehin schon zu (fast) allem bereit. Selbst wenn ich die Prüfung nicht in allen Punkten bestehen sollte, bin ich doch ganz zuversichtlich. Immerhin steht mir da noch BRÜNHILD, die Starke (Karte 56) zur Seite. Wie hat es ein Freund so nett ausgedrückt? – ich stürze mich mit Feuereifer ins Ungewisse! Ja, dafür bin ich eben Widder und nicht nur herzlich mit Thor verbunden, sondern auch mit den BERSERKERN (Karte 41).
Es gibt Momente im Leben, da hilft nur noch eins: Augen zu und durch! Die rechte Wut zur rechten Zeit kann durchaus hilfreich sein, besonders, wenn man sich mal wieder selbst im Wege steht. Und wenn’s kein anderer tut, muß man sich eben hin und wieder selbst das (Bären-)Fell über die Ohren ziehen. Mittlerweile bin ich darin ganz gut.

Eine klare Entscheidung treffen, den Verstand verlieren und zur Vernunft kommen, also den schamanischen Weg gehen, das bedeuten die Berserker für mich. Vor allem hat mir die “Berserkerwut” dabei geholfen, mir selbst treu zu bleiben, zu meinen Überzeugungen zu stehen, ganz gleich, was irgend jemand sonst davon hielt. Und es gab genug Leute, die nicht verstehen konnten, warum ich bereit war (und es natürlich noch immer bin) alles aufzugeben für eine ungewisse Zukunft.
Doch nicht alles blieb ungewiß. Da gab es auch SIGDRIFA (Karte 61 ), die Siegreiche. Die Schwanenjungfrau erschien genau an jenem Tag, als ich meine wahre Lebensaufgabe erkannte, bzw. als sie mir offenbart wurde. Ich muß zugeben, zunächst war ich etwas enttäuscht – nicht wegen Sigdrifa, sondern wegen dieser meiner Lebensaufgabe. Nichtsdestotrotz (ich liebe dieses Wort....) wurde mir sehr schnell klar, daß es seine absolute Richtigkeit damit hatte. Jede andere Aufgabe wäre mir wohl leichter gefallen... Das Ziel war also klar, nur der Weg dahin lag noch im Dunkeln.
In solchen Situationen kann man schon mal zum Tier werden. Das Auftauchendes Fenrirwolfes hing bestimmt nicht damit zusammen, daß ich ein Fan des Wolfpac bin. Das hier war ein anderer Wolf. Der Feind in mir war erkannt, und damit auch schon fast gebannt.
Hin und wieder ertappte ich mich dabei, wie ich nur darauf lauerte, zuschnappen zu können, sobald mir irgendwer in die Quere käme. Dummerweise schien mir gerade da jeder aus dem Weg zu gehen. So ein Pech aber auch! Und als ich dann die Karte, den “guten” FENRIR (Karte 66) natürlich, in der Hand hielt, und in diesen Spiegel schaute, da war’s vorbei.

Meine beiden Katzen betrachteten mich etwas mitleidig, wie ich da saß und lachte, bis mir die Tränen kamen. Vor allem der einen stand es deutlich auf der Stirn geschrieben: Jetzt ist sie völlig übergeschnappt.
Wie auch immer – meine Wut auf mich selbst, denn nichts anderes war es schließlich gewesen, verzog sich in immer dünner werdenden Rauchwölkchen. Ich war bereit, es mit jedem weiteren Untier in mir und um mich herum aufzunehmen. Bloß jetzt wollte plötzlich keines mehr was von mir. Doch was macht ein Widder, wenn er nicht kämpfen darf? Abwarten, mich in Geduld üben – das mußte ich nun schon seit ganzen neun Monaten. Und dabei fühlte ich mich oft genug ohnmächtig. Wie HANGATYR (Karte 28) war ich gezwungen auszuharren, mein Schicksal anzunehmen, denn dazu hatte ich mich ja bereit erklärt. Neun Nächte hing er am windigen Baum, und ich konnte das inzwischen wirklich nachempfinden. Doch wie befreit man sich aus solcher Ohnmacht? Was bringt Licht in solche Dunkelheit?

Ich wußte es! Ich wußte es, noch ehe ich die Karte umdrehte. Es war BALDER, der Sanftmütige (Karte 6), der strahlende Sonnengott, den ich vor mir hatte.
Mit der dunklen Seite kam ich wunderbar zurecht, nun war wohl die andere dran, ob ich wollte oder nicht. Ich wollte nicht, zumal mir ein Satz in den Sinn kam, den ich schon vor einigen Monaten zu hören bekommen hatte. Dasselbe Thema, ein einem anderen Zusammenhang. Du kriegst es solange, bis du es gelernt hast. Als ob es nicht reichte, daß ich seit Jahren berufsbedingt hilfreich, edel und gut zu sein hatte! Aber darum ging es ja nicht. Irgendwann funktionieren Ablenkungsmanöver nicht mehr. Die letzte Nacht am Baum, die war zuviel gewesen. Und trotzdem würde ich das alles wieder tun. Ich würde denselben Weg wieder gehen.
Selbst der mächtige Odin mußte sein Schicksal annehmen. Er wußte um das Ende. Er wußte vom Untergang und näherte sich diesem zielstrebig, denn sein Wissen ging wesentlich weiter.

Und so wie er neun Nächte hing am windigen Baum, er selbst sich selbst geweiht, um wahrhaft er selbst sein zu können, so ging ich nun neun Monate schwanger mit mir selbst, um die zu werden, die ich wirklich bin.
Das Ende steht mir noch bevor, die Wiedergeburt, der Neubeginn. Es konnte nur eine Karte sein, die mir diesen Neubeginn klar und deutlich zeigte: Die letzte Karte des “Germanischen Götterorakels” – DAS GOLDENE ZEITALTER (Karte 81)! Wieso sollte ich mich also nicht mit Feuereifer ins Ungewisse stürzen? Wieso sollte ich mich davor fürchten, alles aufzugeben, nur weil ich nicht weiß, was die Zukunft mir bringt? Wer weiß das schon?

Und die goldenen Tafeln liegen im frischen Gras, wenn auch noch unbeschrieben...